Napster by Rhapsody im Test

Vor einiger Zeit habe ich einen kurzen Vergleich diverser legaler Musik-Streaming-Dienste gewagt, welchen ich heute ein wenig erweitern möchte.
Gut sechs Wochen nach dem Relaunch von Napster, einer der bedeutendsten Platform für legale Musikangebote im Netz, möchte ich heute ein Resümee ziehen und meine Erfahrungen mit euch teilen.

1. Musikvielfalt:
Zugegeben, ich war erschreckt, als ich mich nach dem Relaunch auf der Website von Napster einloggte und feststellen musste, dass ein Großteil meiner Playlists leer war. Titel, Interpreten oder auch Alben, die einen Tag vorher noch existierten, waren plötzlich verschwunden. Darunter auch sehr viel Musik deutscher Interpreten und Bands sowie Hörbücher. Charts oder auch Mainstream-Interpreten waren jedoch vorhanden und konnten ohne Weiteres abgespielt werden. Als ich mich dann jedoch in die von Rhapsody zu Verfügung gestellte App einloggte war noch weniger Musik auffindbar. Die durch die Suche zu Tage geförderten Titel auf der Website konnten durch die Suche in der App leider nicht immer gefunden werden. Abhilfe schafft in diesem Fall nur die Suche auf der Website durchzuführen und die gewünschten Titel einer Playlist zuzuordnen, die dann in der App heruntergeladen/abgespielt werden kann. Dort sind die Titel dann komischerweise vefügbar. Da besagtes Phänomen leider immer noch anhält und der ursprüngliche Musikkatalog sechs Wochen nach Relaunch immer noch nicht wieder vorhanden ist, darf man wohl – wider Behaupten – nicht von Startschwierigkeiten, sondern von einem dauerhaften Zustand ausgehen. Unterm Strich für mich mehr als enttäuschend. Ich hatte mir von einer Übernahme und dem damit verbundenen Relaunch deutlich mehr erhofft.

2. Soundqualität:
Sollte man nach kurzem Ärgernis über die mangelnde Musikvielfalt dann doch mal einen Titel gefunden haben, so kann sich die gebotene Soundqualität durchaus hören lassen. Vorbei sind die Zeiten der deutlich schlechteren Tonqualität vor der Übernahme. In diesem Punkt bin ich hellauf begeistert. Die meisten der angebotenen Titel stehen in – von Napster bezeichneten – High Quality zu Verfügung. Dadurch klingen sie deutlich brillianter und orginalgetreuer als man es von Napster in der Vergangenheit gewohnt war. Daumen hoch.
Was man dazu jedoch noch sagen sollte: Es handelt sich trotz der vergleichsweise guten Tonqualität dennoch noch um digitalisierte Titel. Aus diesem Grund reicht die Qualität selbstverständlich nicht an die Qualität anderer, hochwertigerer Medien heran. Für Unterwegs reicht es meines Erachtens dennoch mehr als genug.

3. App:
Um ganz ehrlich zu sein: Die nächste herbe Enttäuschung. Was sich die Entwickler bei Rhapsody beim Zusammenschrauben dieser App gedacht haben möchte ich glaub ich nicht wissen. Ich habe selten so eine unübersichtliche, undurchdachte und absturzfreudige App wie diese gesehen. Tut mir Leid liebe Entwickler, aber das war meines Erachtens ein Schuss in den Ofen. Da sollte dringend nachgebessert werden. Nicht nur das Problem mit der „fehlenden“ Musik (siehe 1.) in der App, sondern auch die Übersichtlichkeit und Usability sollte deutlich verbessert werden. Vorallem die häufigen Abstürze und die mangelhafte Updatefunktion der Playlist macht das Sortieren bzw. Erstellen seiner Musiksammlung auf Dauer zu einer Tortur. Die alte App war schon nicht ganz der Hit, aber diese App schießt den Vogel gänzlich ab. Auch funktioniert die Offlinenutzung bei mir überhaupt nicht. Das könnt ihr doch sicherlich besser!?
Ansonsten arbeitet die App jedoch ähnlich wie die standardmäßige iPod „App“, die Apple von Haus aus in seine mobilen Geräten integriert. Die Musik läuft im Hintergrund weiter und die App kann ebenfalls über die Fernsteuerung am Headset bedient werden. Auch Multitasking lässt sie nicht vermissen.
Zudem bietet die App die Möglichkeit die Soundqualität zwischen High Quality und „normaler“ Quality zu wechseln. Dabei sollte jedoch darauf geachtet werden, dass das Streaming/der Download der Titel dadurch deutlich volumenintensiver wird. Aus diesem Grund sollte man die Titel am Besten nur mit bestehender Wi-Fi-Verbindung streamen/herunterladen.

4. Preis:
Der Preis für eine Musikflatrate richtet sich nach gebuchtem Tarif. Der Basistarif schlägt mit 7,95€ monatlich zu Buche, der Tarif „Music-Flatrate + Mobile“ mit 12,95€.
Der Basistarif ermöglicht euch den Zugriff auf mehrere Millionen Songs, die ihr auf eurem PC online streamen könnt. Um die Titel auch offline hören zu können und eure Musiksammlung auf am Smartphone online wie offline genießen zu können benötigt ihr den teureren „Music-Flatrate + Mobile“ Tarif. Dieser Tarif ermöglicht euch eine Offlinespeicherung auf jeweils 3 Smartphones/MP3-Playern und 3 PCs.
Meines Erachtens geht der Preis für dieses Angebot in Ordnung. Eines sollte man bei Buchung der Tarife jedoch im Vorhinein beachten: Ihr könnt eure Musik nur solange hören, wie ihr den Tarif auch bezahlt. Solltet ihr das Abo kündigen, so habt ihr auch keinen Zugriff mehr auf das Musikangebot. Ihr kauft also nicht die Titel sondern nur das Recht die Musik während eures Abos beliebig oft zu hören bzw. herunterzuladen. Zum Schutz kommt dabei das bekannte DRM-Verfahren zum Einsatz.

Fazit:
Was soll ich sagen bzw. wo soll ich anfangen!?
Momentan bin ich hin- und hergerissen. Einerseits bin ich maßlos von der technischen Umsetzung der App und dem fehlenden Musikangebot enttäuscht, andererseits bin ich von der gebotenen Soundqualität durchaus angetan. Sollte sich die Anzahl der Interpreten, Alben und/oder Titel wieder auf das Niveau vor dem Relaunch heben und die App durch ein Update aufpoliert, übersichtlicher gestaltet und besser bedienbar gemacht werden, wäre Napster durchaus wieder einer der ganz Großen auf dem Gebiet der legalen Musik-Flatrates. Anderenfalls werde ich mein Abo wohl kündigen und mir einen anderen Anbieter suchen.
Alternativen gibt es ja zum Glück genug…

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